Article image

Bei IT-Infrastruktur nicht nur auf Rechenleistung schauen

MMichele Ross

Ein IT-Projekt wird häufig nach Verfügbarkeit, Kapazität und Antwortzeiten bewertet. Der Energiebedarf des Standorts umfasst jedoch oft mehr als die eigentlichen Rechner. Kühlung, unterbrechungsfreie Versorgung und Gebäudetechnik können den Verlauf mitprägen.

Systemgrenzen festlegen

Vor einer Auswertung muss klar sein, was der betrachtete Zähler erfasst. Ein Gesamtgebäude lässt keine sichere Aussage über einen einzelnen Server zu. Werden mehrere Bereiche gemeinsam gemessen, braucht jede Zuordnung zusätzliche Informationen.

Zählerbereich eindeutig bestimmen

Bevor ein Lastgang interpretiert wird, sollte feststehen, welche technischen Bereiche vom jeweiligen Zähler erfasst werden. Ein gemeinsamer Zähler kann beispielsweise IT-Systeme, Kühlung und weitere Gebäudetechnik zusammen abbilden.

Gemeinsame Messungen richtig einordnen

Werden mehrere Bereiche gemeinsam gemessen, lässt sich eine Veränderung im Lastgang nicht automatisch einer einzelnen IT-Komponente zuordnen. Für eine genauere Zuordnung sind zusätzliche Informationen oder gegebenenfalls weitere Messstellen erforderlich.

Technische Änderungen im Zeitverlauf dokumentieren

Hilfreich sind dokumentierte Änderungen: neue Systeme, veränderte Auslastung oder Anpassungen an der Kühlung. Der Vergleich sollte berücksichtigen, ob der Betrieb in beiden Zeiträumen tatsächlich ähnliche Leistungen erbracht hat.

Neue Systeme zeitlich erfassen

Bei der Erweiterung einer IT-Umgebung sollte festgehalten werden, wann neue Systeme oder zusätzliche technische Komponenten in Betrieb genommen wurden. Dadurch können spätere Veränderungen im Energiebezug besser mit konkreten betrieblichen Ereignissen verbunden werden.

Auslastung und Betriebsleistung vergleichen

Ein Vergleich verschiedener Zeiträume ist nur sinnvoll, wenn auch die erbrachte Leistung berücksichtigt wird. Eine höhere Auslastung oder zusätzliche Aufgaben können einen veränderten Energiebedarf erklären, selbst wenn die technische Effizienz einzelner Komponenten verbessert wurde.

Den zeitlichen Zusammenhang mit dem Lastgang untersuchen

Der Lastgang-Kompass für Unternehmen von OPTUM unterstützt die Sicht auf den zeitlichen Bezug. Für IT- und Gebäudeverantwortliche kann das eine gemeinsame Grundlage schaffen, wenn bislang jeder nur seinen technischen Teil betrachtet.

Veränderungen im Lastgang sichtbar machen

Der zeitliche Verlauf zeigt, wann sich der Energiebezug verändert hat. Dadurch können Zeiträume mit technischen Änderungen oder veränderter Nutzung gezielter untersucht werden.

IT und Gebäudetechnik gemeinsam betrachten

Eine IT-Umgebung funktioniert nicht unabhängig von ihrer technischen Umgebung. Kühlung, unterbrechungsfreie Versorgung und weitere Gebäudetechnik können ebenfalls zum Energiebedarf beitragen. Eine gemeinsame Betrachtung schafft deshalb eine breitere Grundlage für die Untersuchung.

Betriebsanforderungen erhalten

Ein gleichmäßiger Dauerverbrauch ist nicht automatisch vermeidbar. Kritische Dienste benötigen Verfügbarkeit; Änderungen müssen mit diesen Anforderungen vereinbar sein.

Erwartete Lasten von Abweichungen unterscheiden

Eine Analyse sollte zunächst erklären, welche Lasten aufgrund des Betriebs erwartet werden und welche Beobachtungen davon abweichen. Nicht jede dauerhaft vorhandene Last stellt automatisch ein Optimierungspotenzial dar.

Verfügbarkeit als wichtige Rahmenbedingung

Bei kritischen IT-Diensten kann ein kontinuierlicher Betrieb erforderlich sein. Maßnahmen zur Veränderung des Energieverbrauchs müssen deshalb mit den betrieblichen Anforderungen vereinbar bleiben.

Leistungsfähigkeit als Vergleichsgröße mitdenken

Wenn eine IT-Umgebung mehr Aufgaben übernimmt, kann ein höherer Energiebezug trotz verbesserter technischer Effizienz plausibel sein. Eine Bewertung sollte deshalb nicht nur die Menge, sondern auch die erbrachte Funktion berücksichtigen.

Energieverbrauch und Leistung gemeinsam bewerten

Welche Bezugsgröße sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen System ab und muss fachlich festgelegt werden. Der Standortlastgang allein liefert diese Information nicht. Er zeigt jedoch, wann sich der Bezug verändert hat.

Zusätzliche Aufgaben berücksichtigen

Übernimmt eine IT-Umgebung zusätzliche Aufgaben, kann sich ihr Energiebedarf verändern. Ein höherer Gesamtverbrauch sollte deshalb nicht automatisch als Verschwendung gewertet werden. Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen Energiebezug und erbrachter Funktion.

Technische Verbesserungen richtig einordnen

Eine technische Verbesserung kann auch dann sinnvoll sein, wenn der gesamte Energiebezug eines Standorts aufgrund einer stärkeren Nutzung steigt. Messung und Leistungsbeschreibung ergänzen sich hier gegenseitig.

Effizienz nicht isoliert betrachten

Eine einzelne Kennzahl zum Energieverbrauch reicht nicht immer aus, um eine technische Veränderung zu bewerten. Erst zusammen mit Informationen über Nutzung, Auslastung und erbrachte Leistung entsteht ein aussagekräftigeres Bild.

Wachstum von ungeklärten Abweichungen unterscheiden

Diese Trennung verhindert, dass wachsender Bedarf automatisch als Verschwendung gewertet wird oder eine technische Verbesserung allein wegen höherer Gesamtnutzung übersehen wird.

Erweiterungen mit Datum dokumentieren

Bei einer Erweiterung sollte der neue technische Stand deshalb mit Datum festgehalten werden. So kann die Analyse zwischen zusätzlicher Aufgabe und ungeklärter Abweichung unterscheiden.

Veränderungen nachvollziehbar festhalten

Neue Systeme, zusätzliche Aufgaben und Anpassungen an der technischen Infrastruktur sollten möglichst eindeutig dokumentiert werden. Dadurch entsteht eine zeitliche Referenz für spätere Auswertungen.

Eine passende Referenz für wachsende Betriebe schaffen

Ein wachsender Betrieb benötigt eine Referenz, die den aktuellen technischen und betrieblichen Stand berücksichtigt. Eine unveränderte Kennzahl aus der Vergangenheit kann dafür allein nicht ausreichen.

Standortlastgang als Ausgangspunkt nutzen

Erst anschließend lässt sich gezielt weiterprüfen. Möglicherweise braucht es Unterzähler oder detailliertere technische Messungen. Der Standortlastgang liefert dafür eine Orientierung.

Zusätzliche Messungen gezielt einsetzen

Wenn aus dem gemeinsamen Lastgang keine eindeutige Zuordnung möglich ist, können Unterzähler oder detailliertere technische Messungen erforderlich werden. Welche Messung sinnvoll ist, hängt von der konkreten Fragestellung ab.

Energie als Eigenschaft des gesamten Betriebs betrachten

Der Standortlastgang hilft, Energie als Eigenschaft des gesamten Betriebs zu betrachten, ohne aus einer gemeinsamen Kurve eine unbelegte Diagnose einzelner IT-Komponenten abzuleiten.

Fazit

Bei der Analyse des Energiebedarfs von IT-Infrastrukturen reicht es nicht aus, ausschließlich auf die Rechenleistung zu schauen. Kühlung, unterbrechungsfreie Versorgung und Gebäudetechnik können den Energieverlauf ebenfalls beeinflussen.

Entscheidend sind deshalb klare Systemgrenzen, dokumentierte technische Veränderungen und ein Vergleich, der auch die tatsächlich erbrachte Leistung berücksichtigt. Der Standortlastgang zeigt, wann sich der Energiebezug verändert hat. Zusammen mit Betriebs- und technischen Daten kann daraus eine fundiertere Untersuchung entstehen. Wenn die gemeinsame Messung für eine eindeutige Zuordnung nicht ausreicht, können gezielte Unterzähler oder weitere Messungen die nächste Analyseebene bilden.